Steuerrücklagen-Rechner
Wie viel von jedem Euro gehört dir wirklich? Der Rechner ermittelt deine Einkommensteuer nach dem Tarif 2026, hält die Umsatzsteuer getrennt davon – denn die war nie dein Geld – und rechnet die Vorauszahlungs-Falle im zweiten Jahr mit, an der die meisten scheitern.
Rücklagen sind das eine, Fristen das andere
Der Selbstständigen-Steuer-Kompass bringt beides zusammen: Fristenkalender 2026, Betriebsausgaben-Checkliste, Rechnungs- und Angebotsvorlagen sowie eine verständliche Anleitung zur Kleinunternehmerregelung. Einmal 19 €, dauerhaft nutzbar.
Zum Steuer-Kompass →Der Satz, der Existenzen rettet
Die Umsatzsteuer auf deinem Konto war nie dein Geld. Sie gehört vom ersten Tag an dem Finanzamt; du bist nur die Kasse dazwischen. Wer sie als Einnahme betrachtet, lebt monatelang von fremdem Geld und merkt es erst, wenn die Voranmeldung fällig wird. Deshalb rechnet dieser Rechner sie getrennt aus – und nicht als Teil deiner Steuerquote.
Warum das zweite Jahr das gefährliche ist
Im ersten Jahr der Selbstständigkeit zahlst du meist gar nichts an Einkommensteuer – das Finanzamt kennt deinen Gewinn ja noch nicht. Das fühlt sich großzügig an und ist in Wahrheit ein Aufschub.
Denn im zweiten Jahr passiert beides gleichzeitig:
- Der Bescheid für das erste Jahr kommt – als Nachzahlung, in einer Summe.
- Das Finanzamt setzt gleichzeitig Vorauszahlungen für das laufende Jahr fest (§ 37 EStG), rückwirkend ab dem 10. März, und zwar auf Basis eben dieses Gewinns.
Wer nur für ein Jahr zurückgelegt hat, steht dann vor der doppelten Last. Genau das ist der häufigste Grund, warum sonst gesunde Selbstständige in Zahlungsschwierigkeiten geraten – nicht schlechte Auftragslage, sondern eine Fälligkeit, mit der niemand gerechnet hat. Der Rechner weist diesen Betrag deshalb gesondert aus, wenn du „zweites Jahr“ wählst.
Die vier Vorauszahlungstermine liegen auf dem 10. März, 10. Juni, 10. September und 10. Dezember.
Wie viel Prozent sind realistisch?
Die verbreitete Faustregel „30 Prozent zurücklegen“ ist als Hausnummer brauchbar und im Einzelfall gefährlich – nach oben wie nach unten. Der Grund ist der progressive Tarif: Bei kleinem Gewinn zahlst du deutlich weniger, bei hohem deutlich mehr.
| Zone (zu versteuerndes Einkommen, Ledige 2026) | Steuersatz |
|---|---|
| bis 12.348 € | 0 % – Grundfreibetrag |
| 12.349 € bis 17.799 € | Grenzsteuersatz steigt von 14 % auf rund 24 % |
| 17.800 € bis 69.878 € | Grenzsteuersatz steigt von rund 24 % auf 42 % |
| 69.879 € bis 277.825 € | 42 % |
| ab 277.826 € | 45 % |
Wichtig zu verstehen: Der Grenzsteuersatz gilt immer nur für den nächsten Euro, nie für dein gesamtes Einkommen. Wer 42 Prozent Spitzensteuersatz erreicht, zahlt trotzdem nur einen deutlich kleineren Anteil seines Gesamteinkommens – bei 70.000 € zu versteuerndem Einkommen liegt die durchschnittliche Belastung bei etwa einem Viertel. Genau diesen Durchschnitt rechnet der Rechner aus, denn er ist die Zahl, die du zurücklegen musst.
Was hier bewusst fehlt
Ein Rücklagenrechner, der so tut, als könne er deine Steuererklärung ersetzen, wäre unehrlich. Diese Posten bleiben außen vor – und du solltest sie kennen:
- Solidaritätszuschlag. Er greift erst weit oben: Bis zu einer Einkommensteuer von rund 20.000 € im Jahr fällt für Ledige keiner an, das entspricht grob einem zu versteuernden Einkommen von etwa 75.000 €. Darüber kommt er hinzu – der Rechner bildet ihn nicht ab, weist aber darauf hin, wenn du in diesen Bereich kommst.
- Kranken- und Pflegeversicherung. Die Beiträge hängen von Kasse, Tarif und Status ab und sind keine Steuer. Sie gehören trotzdem in deine Liquiditätsplanung – rechne sie separat dazu.
- Kirchensteuer, Verlustvorträge, Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen, Ehegattensplitting und Kinderfreibeträge. Jeder dieser Posten verschiebt das Ergebnis, meist zu deinen Gunsten.
- Gewerbesteuer, falls du gewerblich tätig bist – dafür gibt es den eigenen Rechner.
Weil diese Posten in beide Richtungen wirken, ist die ausgewiesene Rücklage bewusst eher zu hoch als zu knapp angesetzt. Zu viel zurückgelegt zu haben ist ein angenehmes Problem.
Der praktische Teil: ein zweites Konto
Rechnen allein legt kein Geld beiseite. Was funktioniert, ist banal und wirksam: ein separates Tagesgeldkonto, auf das der Monatsbetrag per Dauerauftrag geht, direkt nach jedem Zahlungseingang. Wer die Rücklage auf dem Geschäftskonto liegen lässt, gibt sie irgendwann aus – nicht aus Leichtsinn, sondern weil der Kontostand nicht zwischen deinem Geld und dem des Finanzamts unterscheidet.
Ausführlich mit Beispielrechnungen und Kontostruktur: Steuerrücklage berechnen → · Passend dazu die Umsatzsteuer-Voranmeldung →
Häufige Fragen
Wie viel Prozent sollte ich für Steuern zurücklegen?
Das hängt vom Gewinn ab, weil der Einkommensteuertarif progressiv ist. Bei kleinen Gewinnen können es unter 15 Prozent sein, bei hohen über 35. Die verbreitete Faustregel von 30 Prozent liegt für mittlere Gewinne oft in der Nähe, ist aber im Einzelfall zu hoch oder zu niedrig. Dieser Rechner ermittelt den tatsächlichen Durchschnittssatz nach dem Tarif 2026.
Gehört die Umsatzsteuer zur Steuerrücklage?
Nein, sie ist ein eigener Posten. Die vereinnahmte Umsatzsteuer war nie Teil deines Gewinns – du ziehst sie für das Finanzamt ein und führst sie ab. Sie sollte deshalb getrennt zurückgelegt werden, nicht in eine gemeinsame Quote eingerechnet. Kleinunternehmer nach § 19 UStG betrifft das nicht.
Warum ist das zweite Jahr der Selbstständigkeit so gefährlich?
Weil zwei Zahlungen zusammentreffen: die Nachzahlung für das erste Jahr und die neu festgesetzten Vorauszahlungen für das laufende Jahr nach § 37 EStG, rückwirkend ab dem 10. März. Wer nur für ein Jahr zurückgelegt hat, steht vor der doppelten Last.
Wann sind die Vorauszahlungen fällig?
Zum 10. März, 10. Juni, 10. September und 10. Dezember. Die Höhe richtet sich nach der zuletzt festgesetzten Steuer; ändert sich dein Gewinn deutlich, kannst du beim Finanzamt eine Anpassung beantragen.
Ab wann fällt Solidaritätszuschlag an?
Erst oberhalb einer Freigrenze, die bei Ledigen bei rund 20.000 Euro Einkommensteuer im Jahr liegt – das entspricht grob einem zu versteuernden Einkommen von etwa 75.000 Euro. Für die meisten Selbstständigen spielt er damit keine Rolle. Dieser Rechner bildet ihn nicht ab und weist darauf hin, wenn du in diesen Bereich kommst.
Was ist der Unterschied zwischen Grenz- und Durchschnittssteuersatz?
Der Grenzsteuersatz gilt nur für den nächsten verdienten Euro, der Durchschnittssteuersatz für dein gesamtes Einkommen. Wer den Spitzensteuersatz von 42 Prozent erreicht, zahlt insgesamt deutlich weniger als 42 Prozent. Für die Rücklage zählt der Durchschnitt.